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J. Rosstalnyj A. Galiandin
‘‘REHEARSING SZUPER GALLERY’
Frage:
Ihr arbeitet unter dem Namen Szuper Gallery. Es ist seltsam diesen Namen zum Beispiel in einer Ausstellung in einer Liste mit individuellen Künstlern zu sehen. Was ist Szuper Gallery und was macht ihr?
Antwort
1995 wurden wir vom Besitzer der Galerie Szuper, der bis dahin mit osteuropäischer Kunst gehandelt hatte eingeladen, das Programm der Galerie neu zu gestalten. Wir fingen als Kuratoren an in der Galerie zu arbeiten. Der Besitzer erhoffte sich dadurch eine Belebung des Geschäfts. Die Galerie war bis dahin hauptsächlich auf ukrainische Kunst ausgerichtet gewesen.
Die ersten westlichen Käufer reisten Ende der 80er Jahre nach Moskau und suchten nach billigen zukünftigen Kunststars. Auch die Künstler aus der Sowjetunion fuhren nach Moskau, um an diesem Markt Teil zu haben. Die Käufer gingen von Atelier zu Atelier. Ihnen wurde eine Reihe von Künstler präsentiert.
1988 kaufte Sotheby’s zum ersten mal Untergrundkunst aus der Sowjetunion und verkaufte sie zu relativ hohen Preisen im Westen. Das wirkte wie ein Schock auf die sowjetischen Künstler. Grigorij Pruskin zum Beispiel verkaufte ‚Fundamental Lexikon’ für 240.000 Pfund bei der Auktion. Die Arbeiten von Swetlana und Igor Kopustiansky landeten in der Kollektion von Elton John. Die anderen Künstler die diesen russischen Boom gestalteten sind Bulatov, Kabakov, Chuikov, Jankilewsky oder Sacharov. Die Künstler bekamen zwar nicht einmal ein Zehntel des Verkaufspreises in die Hände aber sie waren in Lage Verträge mit westlichen Kunsthändlern abzuschliessen. Allgemein schien es dem westlichen Kunstmarkt aber weniger um die Kunst zu gehen, als um die Vermarktung der Perestroika. Die westlichen Kunsthändler lernten schnell das die Zusammenarbeit mit den ‚verbotenen Russen’ sehr profitabel sein konnte.
Es erhöhte die Anerkennung und Preise auf dem ‚nicht existierenden’ Sowjetischen Kunstmarkt. Gleichzeitig etablierten sich russische Sammler und Galeristen in Moskau. Sie suchten ihr Geld zusammen um in einer Zeit der Inflation in Kunst zu investieren. Tatjana Krindelova, die aus dem Zuckergeschäft kam, imitierte den erfolgreichsten Moskauer Benzinbaron, Vladimir Regina. Sie kaufte mir damals zum Beispiel ein Bild für 100.000 Rubel ab, das damals ca. 10.000 Dollar wert war. Aber in zwei Wochen konnte ich mir dafür nicht mal mehr einen Fernseher kaufen. Der Galerist Marat Guelman suchte das Geld aus den Parteikassen seines Vaters zusammen um in die ukrainische Kunstszene zu investieren. Heute hat die Mafia ein Grossteil des Kunsthandels übernommen.
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Die russischen Künstler der 80er Jahre, die im Westen anerkannt wurden emigrierten dann auch dorthin und saßen in Berlin und New York auf ihren Geldsäcken und wurden damit zum mythischen Vorbild für die Generation der 90er.
Aber dieser Boom hielt nur wenige Jahre an, bis kurz nach dem Zerfall der Sowjetunion. Nach diesen Zerfall fanden sich die Künstler in ihren nun grösstenteils eigenständigen Nationalstaaten wieder, deren kleinere Kunstszenen sich im Westen nicht mehr so gut vermarkten ließen.
Dann fing der sogenannte Kunsttourismus an, Einladung von Künstlerguppen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, Partnerstädten etc. in den Westen. Ein grosse Reisetätigkeit setzte ein. Für Künstler gab es damals Visa hinterhergeschmissen. Mit einem Künstler reisten immer ca. 10 Funktionäre mit.
Frage:
Wie verhielt sich die Galerie Szuper damals?
Antwort:
Kurz nachdem wir in der Galerie angefangen hatten wurde im Fernsehen über die angeblichen kriminellen Machenschaften und Verwicklungen der Galerie berichtet. Es wurde behauptet das die Galerie für die Machenschaften der russischen Mafia zur Geldwäsche missbraucht wurde. Außerdem war gerade ein angeblich vom ukrainischen Präsidenten in Auftrag gegebener Mordanschlag auf einen Abgeordneten in Deutschland aufgeflogen. Bei den Ermittlungen war der Mafiaforscher Jürgen Roth sehr aktiv. Später wurden wir von ihm interviewt und das Interview wurde in der Politsendung Kennzeichen D ausgestrahlt. Wir dachten dass wir so zumindest ins Fernsehen kommen würden.
Frage:
Die Galerie als Deckmantel krimineller Aktivitäten ist wohl eher die Ausnahme.?
Antwort
Nun, vor einigen Jahren machten wir eine Arbeit die auf einer wahren Geschichte beruht, die sich 1999 in Venedig ereignete: eine Gruppe cleverer Trickbetrüger aus Osteuropa nutzte ihr Wissen um die Gepflogenheiten des Kunstmarkt und Kunsthandels um innerhalb weniger Tage mindestens 12 Galeristen um Kunstwerke in Millionenhöhe zu bringen. Der Trick war recht einfach. Man inszenierte in Venedig, in einem angemieteten Palazzo aus dem 17. Jahrhundert eine perfekte Bühne für den Kunsthandel. Die Galeristen wurden einzeln mit den anvisierten Gemälden eingeladen, ihnen wurde dann in dem Haus von den Mafiosis, die sich übrigens als hervorragende Schauspieler herausstellten, die glaubwürdige Szenerie einer Sammlerfamilie vorgespielt. Durch vorgetäuschte unvorhergesehene Familienereignisse wurden die Galeristen hingehalten, die Kaufabsicht konnte glaubhaft vorgespielt werden. Dieses Setting erschien den geladenen Galeristen allesamt so glaubwürdig, dass sie sich dazu überreden ließen, ihre kostbaren Kunstwerke nur gegen Quittung der Familie zu überlassen.
Am nächsten Tag waren die Mafiosis samt der Kunstwerke verschwunden. Der Palazzo war verlassen, die Miete für eine Woche war mit einem ungedeckten Scheck bezahlt worden.
Frage
Wie ist euer Verhältnis zum Geld?
Antwort:
Die Galerie ging 1997 bankrott, vor allem weil wir absolut unfähig waren etwas zu verkaufen. Wahrscheinlich deshalb weil wir das Galeriegeschäft zum Kunstprojekt gemacht hatten. Nach der Schließung eigneten wir uns den dann den Namen der Galerie an. Seitdem war ‚Szuper Gallery’ für uns ein interessantes Konstrukt um in verschiedenen Situation zu agieren.
Es gibt einen Schönen Satz von Groucho Marx aus dem ersten Film der Brother: The Cocoanuts: „Money makes you happy but happy makes you no money“.
Frage:
Für mich sieht Szuper Gallery wie ein unkonventionelles Kunstprojekt oder eine zeitgenössische Kunstpraxis aus. Wie weit wollt ihr die Grenzen des Kunstmachens in Frage stellen?
Antwort:
Szuper Gallery stellt sich als Instrument heraus um eine Reihe von Strategien, Praktiken und Kollaborationen zu testen. Wie du sagst ist es seltsam diesen Namen als Künstlernamen zu sehen. Diese Art von Irritation hat uns immer interessiert. Unsere Erfahrungen mit der kommerziellen Kunstwelt haben unsere Wahrnehmung beeinflusst und verändert. Die Künstlichkeit des Systems und die Ähnlichkeit mit den Strukturen des organisierten Verbrechens ist gleichzeitig faszinierend und frustrierend.
Wir merkten, dass es keinen Unterschied macht, ob man sich innerhalb oder außerhalb des Systems befindet, weil es natürlich kein Außerhalb mehr gibt. In dieser Situation fingen wir an verschiedene Arbeitstrategien zu entwickeln, Strategin der Intervention, des Einschleusens oder der Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Institutionen, mit Firmen und Verwaltungsbehörden, zum Beispiel mit der Polizei, mit einem Fernsehsender oder einer Ausländerbehörde. Das Konstrukt der Galerie ermöglichte es uns Zugang zu bekommen und auf verschiedenen Bühnen aufzutreten, auch wenn es sich nur um eine ‚Scheininstitution handelt’.Inzwischen hat auch die Mafia verstanden wie sie sich die Strukturen der Kulturproduktion aneignen kann.
Der Russische Kriminelle und Vitali Dyomochka,34, ist der erste Mafia Boss der in einer realen TV Gangster Serie auftritt. Er spielt den Boss einen Syndikats des organisierten Verbrechens. Er ‚spielt’ darin anscheinend so glaubwürdig, dass nicht mal Hollywood diese Rolle so gut hätte schreiben können. Er ist hochtalentiert und dem kriminellen Leben verschrieben und deckt er die schockierende Realität der dunklen Unterwelt auf.
Dyomotchka, Boss der kriminellen Gang 'Podstav, befand die meisten existierenden Mafia Filme als zu unrealistisch und gestaltet daher seine eigene Serie , ‚Spets’. ‚Es war uns langweilig die vielen unrealistischen TV- und Kinofilme über die Mafia und das organisierte Verbrechen zu sehen. Die Serie die er zum teil auch sleber finaniziert ist sehr erolgreich. Inzwischen hofft er dass das Filmemachen eine legale Einkommensart werden könnte und ihm und den anderen Mitgliedern der kriminellen Crew Prestige im Unterhaltungsgeschäft bringen wird. |
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